Was bei Ready Player One alles schiefgehen könnte

Am 4. April 2018 startet Ready Player One, die Verfilmung des 2011 erschienenen Bestsellers von Ernest Cline, in den deutschen Kinos. Wer hier schon ein wenig gelesen hat wird sicher mitbekommen haben, dass ich das Buch mag und jedem ders hören will weiterempfehle. Dementsprechend fiebere ich dem Filmstart bereits entgegen. Allerdings habe ich auch einige Befürchtungen was den Film und die Umsetzung des Buchs angeht. Und das obwohl Cline das Buch so anlegte, dass man es gut verfilmen könne.

Trailer Ready Player One

Schlechte Buchverfilmungen gibt es viele. Michael Ende war von der ersten Verfilmung seiner Unendlichen Geschichte sogar dermaßen enttäuscht, dass er seinen Namen aus dem Vorspann streichen ließ. Andere Verfilmungen wie etwa Tintenherz oder die der Edelstein-Trilogie nehmen ihre Vorlage nur noch als Inspiration, streichen wesentliche Inhalte und fügen neue hinzu. Vom eigentlichen Buch bleiben dann nur noch die Hauptpersonen, der Titel und der ungefähre Plot.

Ob das auch bei Ready Player One passieren wird kann noch kaum wer sagen, allerdings sind hier meine 6 Befürchtungen, was die Verfilmung angeht.

Kein Bezug auf aktuelle Themen

Die Antagonisten im Buch sind klar. Auf der eine Seite stehen die Jäger die alleine oder in Clans organisiert sind und die OASIS weiterhin frei für alle verfügbar halten oder mit dem gewonnenen Geld das Leben aller Menschen auf der Erde verbessern wollen. Auf der anderen Seite steht der weltweit agierende Konzern IOI, der die Kontrolle über die OASIS erlangen möchte und mit ihr seinen Profit weiter ausbauen will indem die Inhalte und Nutzer stärker kontrolliert und unter anderem eine Zugangsgebühr erhoben werden soll.

In den letzten Monaten kann man ähnliche Themen in den USA beobachten, was dort nicht zuletzt ihren vorläufigen Höhepunkt in der Aufhebung der Netzneutralität erreichte. Filme und andere Medien können einen öffentlichen Diskurs anstoßen und Aufmerksamkeit erregen. Gerade ein Film, dessen Grundgeschichte die Freiheit eines weltweiten Mediums beinhaltet könnte das leisten.

Allerdings ist das auch ein sperriges Thema und was ist ein größeres Kassengift als Politik. Dementsprechend befürchte ich, dass alle kritischen Gedanken und Anspielungen des Plots auf ein simples Gut vs. Böse reduziert werden. Naja, oder ein „geht mehr nach draußen“, wie es halbwegs sinngemäß am Ende des Buchs mitgeteilt wird.

Reduktion des Plots auf eine Liebesgeschichte

Geben wir es zu. Die „Liebesgeschichte“ im Buch ist dermaßen hölzern und stocksteif, dass selbst Tolkiens Buchromanzen wie shakespearesche Sonette wirken. Wade ist zuallererst Fanboy und seine Annäherungen sind wie eine Blaupause unter der man sich Nerdromanzen in einem Chatroom vorstellt. Natürlich nimmt seine Beziehung zu Art3mis viel Platz im Buch ein und ist über viele Seiten ein treibendes Element, bzw. ein für die Rätsellösung hinderndes Element, aber ich fürchte, dass daraus im Film mehr ein „wir retten gemeinsam die Welt, denn unsere Liebe kann nichts trennen.“

Zu hübsche Charaktere

Kino ist ein visuelles Medium und Schauspieler sind zum Großteil charismatisch und attraktiv. Dennoch passen meiner Meinung nach zu hübsche Menschen nicht zu den im Buch vorgestellten Personen. Wade, die Hauptperson, hat Pickel, ist streckenweise übergewichtig und identifiziert sich selbst nicht als gut aussehend. Was man bislang im Trailer sehen kann ist ein typischer Jungschauspieler wie es ihn in jedem Film gibt. Damit ihn aber jeder als Nerd und vielleicht nicht zu 100% perfekt sieht hat man ihm das wohl ausgelutschteste Accessoire der Filmgeschichte gegeben. Eine schwarze Clark-Kent-Brille.

Ähnlich verhält es sich zum weiblichen Gegenpart Art3mis. Hier allerdings bei ihrem Avatar. Im Buch wird dieser als pummelig und eher klein beschrieben. Ganz im Gegensatz zu all den perfekt aussehenden Avataren die die Nutzer der OASIS im Normalfall für sich erstellen. Gerade das macht sie aus und gerade das erregt Wades Aufmerksamkeit. Ganz nach dem Zitat aus „The incredibles“: ‚“And when everyone’s super… no one will be.“

Im Film ist der Avatar allerdings schlank und perfekt. Austauschbar gegen alle anderen.

Plot spielt mehr in der realen Welt als der virtuellen.

Geschätzte 80% des Buchs spielen in der virtuellen Realität der OASIS. Einer Welt in der alles möglich ist und jeder alles sein kann. Ohne Beschränkung, ohne Hindernisse. Das nötige Kleingeld vorausgesetzt. Die Realität dagegen ist karg und öde. Die Energiereserven der Erde sind nahezu erschöpft und viele Menschen sehen keine Hoffnung mehr. Cline zeigt diesen Kontrast sehr deutlich und bis auf wenige Situationen spielen keine wesentlichen Teile des Buchs tatsächlich in der Wirklichkeit.

Die Trailer verraten bereits die ganze Geschichte

Klar, Trailer sind Werbung für den Film. Wer noch nie davon gehört hat soll dazu animiert werden die nächsten Tickets für diesen Film zu lösen und wer die Vorlagen kennt soll so gehypet werden, dass man auf jeden Fall reingeht. Siehe nur die Aufregung rund um die Trailer der neuen Star Wars-Filme. Dennoch oder vielleicht auch deswegen tendieren Kino-Trailer bereits seit langer Zeit dazu alle guten Szenen des gesamten Films zu zeigen. Wer eine Komödie sieht kann sich sicher sein die besten Gags im Trailer zu sehen, wer einen Action-Film sieht wird die größte Explosion auch schon im Trailer gesehen haben.

Ähnlich verhält es sich wahrscheinlich bereits hier. Wer das Buch kennt und den Trailer sieht wird viele Unterschiede im Plot erkennen und trotzdem wird man höchstwahrscheinlich bereits den Anfang, das Ende und die größten Unterschiede zum Buch gesehen haben.

Außerdem werden im Trailer direkt die RL-Personen gezeigt, die hinter den Avataren der Top 5 stehen. Etwas was im Buch noch eine Überraschung ist und erst am Ende fast schon beiläufig aufgelöst wird.

Zu viele Anspielungen ohne Sinn und Verstand

Ready Player One strotzt nur so vor Anspielungen und Zitaten der Kultur der 80er-Jahre. Kein Wunder, dreht sich der gesamte Wettbewerb doch um dieses Jahrzehnt. Manchmal ist es auch ein wenig zu viel und es scheint mehr eine sinnlose Aneinanderreihung von Fakten zu sein als etwas das das Buch voran bringt.

Wird dies auch so im Film? Es wird sicherlich viele mehr oder wenige offensichtliche Cameo-Auftritte von bekannten Figuren geben. Wahrscheinlich auch weniger der 80er-Jahre als vielmehr der Neuzeit. Figuren die man halt heute kennt und wiedererkennt.

Und sonst so?

Alles in allem freue ich mich auch weiterhin auf den Film. Mir ist klar, dass es einige bedeutend Änderungen geben muss, denn es wäre extrem langweilig jemandem zuzuschauen wie er alte Konsolenspiele stundenlang durchzockt. Außer bei Twitch natürlich, aber da auch nur wenn man will.

Wir werden es sehen. Und bis dahin wünsche ich euch viel Spaß, gute Unterhaltung und ein frohes Osterfest!

Ein Gedanke zu “Was bei Ready Player One alles schiefgehen könnte

  1. Hey!
    Ich kann deine Befürchtungen nachvollziehen und teile sie. Auch ich habe das Buch wirklich richtig gut und bin gespannt auf den Film. Ich möchte ihn auf jeden Fall im Kino sehen. Aber, gerade die von dir genannten Beispiele sind gute Beispiele dafür, wie eine gute Buchvorlage durch einen schlechten Film kaputt gemacht wird. Aber, da „Die Tribute von Panem“ und „Die Bestimmung“ ebenso, wie der „Herr der Ringe“ zeigen, dass es auch anders geht, will ich die Hoffnung noch nicht aufgeben.
    Hab ein schönes Wochenende
    LG
    Yvonne

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