Joe B.: Check24 hat mein Leben zerstört!

Kredite, Versicherungen, Handyverträge. All dies schloss Familienvater Joe B. in den letzten Monaten über die Internetplattform Check24 ab. Aber nicht einmal, sondern immer und immer wieder in der Hoffnung Geld zu sparen. Das Ergebnis: mehrere hunderttausend Euro Schulden, eine zerrüttete  Ehe und ein Haus vor der Zwangsversteigerung.

„Es war wie eine Sucht.“ Diesen Satz hört man oft von Joe B. Joe B. war jedoch nie drogenabhängig. Alkohol trank er wenn dann immer nur in Maßen und „bis auf einen Zug im Alter von 16 Jahren“ griff er auch nie zur Zigarette. Joe B.s Sucht war eine andere. Er war süchtig nach Angeboten in Onlinevergleichsportalen.

Joe B., einst stolzer Familienvater während unseres Gesprächs.

„Angefangen hat alles damals, als ich nach einer günstigen KFZ-Versicherung für das Auto meiner Frau gesucht habe.“ Joe erklärt uns mit wenigen Worten was er damals getan hat. Am Computer zeigen will er es uns auf keinen Fall, die Rückfallgefahr wäre zu groß. „Ich musste nur ein paar Daten eintragen und mir wurden direkt die günstigsten Versicherungen angezeigt. Es war kaum zu glauben, aber angeblich würden wir dadurch über 300 Euro im Jahr sparen. Das war zu gut um wahr zu sein.“ Es sind Momente wie diesen in denen man erahnt, wie dieser Mann damals fest im Leben stand. Joe berichtet weiter von den Gesprächen mit seiner Frau. Ihrer Skepsis. Solche Summen wären unmöglich einzusparen, schließlich hatten sie die Versicherung von ihrem damaligen Stammversicherungsvertreter vermittelt bekommen und der wüsste doch am besten von den Bedürfnissen der Familie mit ihren 2 Kindern.

„Wir beschlossen es einfach auszuprobieren, was hatten wir schon zu verlieren. Außerdem hatte ich mich anderweitig erkundigt und erfahren, dass es dank Rücktrittsrechten nahezu risikofrei war.“ Stolz scheint aus Joes sonst müden Augen als er uns weiter berichtet. Er erzählt uns, wie alles wie am Schnürchen lief. Die Kündigung des alten Vertrags übernahm das Vergleichsportal, die Unterlagen waren rasch ausgefüllt, selbst eine kleine Prämie gab es. „99€ waren das. Davon gingen wir eine Woche später mit der ganzen Familie essen.“, erinnert sich Joe. „Die gesparten 300 Euro flossen in eine Wochenendreise nach Barcelona für mich und meine Frau. Ein Geschenk anlässlich unseres 10. Hochzeitstages.“

Von da ab gab es für Joe kein Halten mehr. Jede Versicherung und schließlich auch die Verträge für die Strom- und Gasversorgung wurden genau unter die Lupe genommen ob man dort nicht noch ein paar Euro im Jahr sparen könne. „Meine Familie belächelte meinen Eifer schon das eine oder andere Mal. Aber sie ließen mich gewähren, denn schließlich profitierten auch sie von dem Geld das wir anderweitig ausgeben konnten.“

Mittlerweile verbrachte Joe seine meiste Zeit vor dem Rechner und von den vielen verschiedenen Vergleichsportalen die er täglich besuchte blieb nur noch eines: Check24. „Die Webseite hat mich damals einfach am meisten angesprochen und es gab dort immer mit die besten Angebote. Auch bei Tests schnitten die immer sehr gut ab. Hätte ich doch nur gewusst…“

Check24 ist ein 1999 in München gegründetes Internetunternehmen, das seit 2008 ein Vergleichsportal für Versicherungen, Finanzen, Energie, Telekommunikation und Reisen anbietet. Das Geschäftsmodell ist einfach: Für jeden über die Internetseite abgeschlossenen Vertrag erhält das Unternehmen eine Provision, die zum Teil bis zu 4-stellige Höhen erreichen kann, wie uns Prof. Wilhelm Schmidt vom Lehrstuhl der Wirtschaftswissenschaften der Humboldt-Universität Berlin bestätigen konnte. „Check24 ist wie andere Anbieter in erster Linie Makler und Vermittler. Der Kunde kann sich nicht sicher sein, ob die dort vorgestellten Produkte tatsächlich die günstigsten seien oder besonders die Produkte hervorgehoben werden die Check24 die höchste Provision einbringen.“ Allerdings fügt Prof. Schmidt hinzu: „Check24 hat sich das Image als Vergleichsportal mit den besten Angeboten hart erarbeitet. Sie werden dieses durch unseriöse Praktiken nicht auf Spiel setzen.“

Wie bei vielen Geschichten gab es auch bei Joe einen entscheidenden Punkt. „Einige Monate war ich schon regelmäßig bei Check24 unterwegs, da beschlossen wir unser Haus zu renovieren. Das einzige was wir dazu brauchten war ein Kredit und ich wusste genau wo ich diesen beantragen würde.“ Was folgte lässt jeden der einmal bei der Bank einen Kredit beantragt hatte staunen. „Ein paar Angaben da, eine Hintergrundprüfung dort und wir hatten unseren ersten Kredit über 50.000 Euro abgeschlossen.“ Ein großer Teil davon floss in die Renovierung des Einfamilienhauses, ein Teil aber auch erneut in den Konsum der 4-köpfigen Familie. „Mein größter Fehler war es dabei nicht zu belassen.“, meint Joe heute. „Irgendwann erfuhr ich, dass Check24 Kredite mit negativen Zinsen anbot. 1000 Euro Kredit und nur 947 Euro zurückzahlen. Wer da nicht zuschlägt muss verrückt sein. So dachte ich jedenfalls damals. Sogar meinen Nachbarn habe ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit davon vorgeschwärmt.“

Es blieb allerdings nicht bei vermeintlich günstigen Kreditverträgen. Joe schloss immer wieder neue Handyverträge ab, damit vor allem seine beiden Kinder immer die neuesten iPhones haben würden. „Am Ende als fast schon alles vorbei war hatte jeder von uns fast 5 Handyverträge. Natürlich alle auf meinem Namen abgeschlossen.“ Doch es kam wie es kommen musste. „Die Raten für die Kredite und die Handyrechnungen stiegen mir irgendwann über den Kopf. Zuerst konnte ich diese noch durch weitere Kredite mit negativen Zinsen bedienen, aber irgendwann machten die Banken für die Check24 die Kredite auflistete für Joe B. dicht. Er war in ihren Augen nicht mehr kreditwürdig.

Diese und viele weitere Elektroartikel erhielt Joe B. für das Abschließen diverser Verträge über die Internetplattform Check24. Die meisten musste er bereits weit unter Wert verkaufen.

„Das war ein Schock. Mir war klar, dass mein Gehalt für diese Summen nie und nimmer ausreichen würde. Also versuchte ich die überflüssigen iPhones zu verkaufen, was zuerst auch ganz gut klappte und mir eine Verschnaufpause einbrachte.“ Joes Blick geht ins Leere während er über diesen Moment spricht. „Aber irgendwann waren auch davon keine mehr da.“ Joe wusste. Er würde es seiner Familie sagen müssen, doch er wusste nicht wie diese darauf reagieren würde. Er der starke Mann der Familie dessen Selbstverständnis es war diese zu ernähren, zu schützen und ein Vorbild zu sein, sollte sie in Wahrheit ins Unglück gestürzt haben? „Am schwersten war es gegenüber meiner Frau. Ich wusste genau wie skeptisch sie damals war als das alles anfing und nun würde sie Recht behalten haben.“ Langsam und mit stockender Stimme erzählt uns Joe den Rest der Geschichte. Wie er sich fürchterlich mit seiner Frau stritt, sie die Kinder nahm und zu ihren Eltern fuhr. Wie er alleine in diesem Haus saß in dem so vieles auf Raten gekauft war und ihm nichts wirklich zu gehören schien. Seinen Selbstzweifeln, seinen Panikattacken. Wie weder ein noch aus wusste. Sein Angst vor der Zukunft, aber auch wie nach einer langen Woche seine Frau zu ihm zurückkehrte und sie beschlossen die Probleme die er verursacht hatte gemeinsam anzugehen.

Heute hat die Familie keine zwei Autos mehr. Vor der Garage des Hauses steht ein gebrauchter Volvo, der aber voll fahrtüchtig ist und seine 5 Jahre sicher noch halten werde, wie uns Joe versichert. Die beiden anderen Wagen haben sie verkaufen müssen. Nur dank der finanziellen Unterstützung ihrer beider Eltern konnten sie schließlich auch ihr Haus retten. Große Sprünge sind aber nicht mehr drin. Heute zahlen sie noch viele der Kredite ab und auch einige der Handyverträge befinden sich noch in der Mindestlaufzeit. Trotzdem hat sich die Familie wieder zusammengerauft, auch wenn sie glauben hin und wieder hämische Blicke von den Nachbarn zu bemerken. Blicke die ihnen gelten, die früher auf so großem Fuße lebten und heute derart abgestürzt sind.

Ob er noch einmal bei Onlineportalen wie Check24 vorbeischauen würde? „Nein“, antwortet Joe schief grinsend, „um das Finanzielle kümmert sich bei uns nur noch meine Frau.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.